SCHREIBZENTREN – DIGITAL, VERNETZT UND OFFEN?

Eine wichtige Lektion im Jahr 2011 war für mich die Erkenntnis, dass digitales, vernetztes und offenes Arbeiten für viele Leute anscheinend ganz hervorragend funktioniert. Personal anderer Hochschulen setzt bereits (von außen betrachtet und in Übereinstimmung mit diversen Berichten im Web 2.0) sehr erfolgreich auf digital scholarship. (Wie bereits einige Male erwähnt sind ursprünglich für mich die digitalen Präsenzen von Christian Spannagel und Oliver Tacke die wichtigsten Quellen der Inspiration gewesen, habe ich durch sie doch erfahren, dass die Integration von Web 2.0 in das eigene Tun mehr sein kann als nur Selbstzweck oder Trendreiterei.)

Es brummt im Mitmachnetz und sicher, bei dem Brummen ist auch einiges an Rauschen dabei. Ich schreibe diese Tatsache aber nicht primär etwa einer mangelnden Qualität dessen zu, was da so produziert wird (, denn das meiste, was ich so lese ist alles andere als schlecht). Sicher, Beispiele Kekse essender, Latte süffelnder und darüber twitternder LehrerInnen  gibt es sicher auch, wer sich allerdings mit Bedacht und Konsequenz ein diskretes Netzwerk zusammenbastelt, mag davon auch verschont bleiben. Da, wo mein Twitter-Stream und mein Google Reader rauschen, liegt es vermutlich vornehmlich daran, dass ich bisher kaum Personal an universitären Schreibzentren im deutschsprachigen Raum gefunden habe, die einen wahrnehmbaren digitalen Fußabdruck hinterlassen (ob sich auf geschlossenen Plattformen mehr tut? Wenn ja, wo und: darf ich mitmachen? Im Web 2.0 fragt man da nicht lange, man macht einfach).

Um dennoch via digital scholarship zu lernen, weiche ich auf thematisch nahe, aber eben letztlich doch irgendwie ferne Bereiche aus und muss aufpassen, mich davon nicht zu weit von meinem eigenen Kurs abtreiben zu lassen. Digitales, vernetztes und offenes Lernen ist mir so wunderbar möglich, um aber auch so Arbeiten zu können, bräuchte es KollegInnen in Schreibdidaktik, Schreibzentrumsarbeit und Literacy Management, die ihrerseits digital, vernetzt und offen agieren.

Die “lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten” am 01. März 2012 böte hierzu eine gute Gelegenheit. Man könnte in die Schreibzentrumsarbeit integrieren, was andernorts schon beinahe ein alter Hut ist – die Twitterwall. Als ständig offener Kanal zwischen den teilnehmenden Institutionen könnte sie dazu dienen, sich gegenseitig über das auszutauschen, was woanders passiert. Wie läuft die Veranstaltung an anderen Orten ab? Welche Anliegen werden im Rahmen der “#lndah12″ diskutiert, welche Erfahrungen machen die Peer-Tutoren bei ihrer Arbeit? Welche Themen beschäftigen die studentischen Schreiber – vielleicht lässt sich im ein oder anderem Fall an einem anderen Ort eine Studierende finden, die über dem gleichen oder einem ähnlichen Thema brütet… Es ließen sich Stimmungsbilder und Meinungen einfangen. Teilnehmer, die gerade keinen Draht zu ihrem eigentlichen Schreibprojekt haben oder mal eine Pause machen, könnten über Twitter niederschwellig trotzdem weiterhin eine Produzentenrolle einnehmen, statt in die Passivität zu rutschen. Nebenbei würde vermutlich der ein oder andere TN noch etwas über digital literacy lernen. Diese zu vermitteln sollte m. E. v.a. auch von universitären Schreibzentren als Verantwortung wahrgenommen werden und am überzeugendsten ließe sich das umsetzen, wenn man praktizierte, was man predigt (oder imho predigen sollte).

Erhoffen könnte man sich davon per default offene Kanäle, bei denen die Hemmschwelle zum Austausch niedriger ist als beim Verfassen einer E-Mail; durch standardmäßig offenes Kommunizieren könnte man sich sparen, sich mit den Unzulänglichkeiten von unvollständigen E-Mail-Verteilern herumzuschlagen. Auch ergäben sich dadurch bessere Möglichkeiten, einen kontinuierlichen Informationsfluss niederschwellig aufrecht zu erhalten, statt sich weiterhin nur sporadisch auszutauschen und dadurch einiges Spannende zu verpassen. Weiterhin könnte sich dadurch für alle Beteiligten auch eine bessere “Grundlage für Öffentlichkeitsarbeit” ergeben.

Ob Ratsuchende oder Schreibzentren – digitales, vernetztes und offenes Arbeiten hätte das Potenzial, in einer win-win-Situation zu enden.

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