the article – ein studentisches Blogprojekt für die Kunstgeschichte

Kürzlich habe ich den bereits etwas älteren Blogeintrag “Studentisches Publizieren – der erste zitierfähige Beitrag” von @GeWirtschaft gefunden, in dem die Autorin einige Publikationsorgane vorstellt, die Studierenden die Veröffentlichung gelungener Hausarbeiten als erste eigene Beiträge ermöglichen. Die Autorin nennt sieben Magazine, Zeitschriften und Journale und darunter eine Reihe.

Der Aufhänger des verlinkten Textes ist der von Studierenden ja vielleicht verspürte Wunsch zu promovieren, denn dann gehe es “um gute Noten, ein gute Netzwerk (…) und um erste zitierfähige Publikationen”; außerdem stehe bei den im Beitrag vorgestellten Publikationsorganen “im Fokus, dass hochwertige und spannende Hausarbeiten nicht einfach in der Schublade verschwinden.” Einerseits soll das Publizieren also den Doktoranden helfen, andererseits verschafft es guten Arbeiten eine Leserschaft, die sie im herkömmlichen Unibetrieb nicht bekommen. Kuhl. Solche Ansätze und Initiativen sind auf jeden Fall zu begrüßen.

Das Veröffentlichen von Texten ist aber nicht nur für Promovierende attraktiv; auch behaupte ich, dass die Veröffentlichung nicht nur eine Art Adelung gelungener Texte sein sollte, denn das Veröffentlichen kann mehr. Es kann gute Texte erst zu eben solchen machen – dann nämlich, wenn es gelingt, Austausch über Texte und Inhalte zu initiieren. Dazu fehlen m.E. in der Hochschullehre häufig Ideen und Konzepte. Und Studierende merken das.

Quelle: thearticle.hypotheses.org, CC-BY-SA

Was passiert, wenn auch Lehrende aufmerksam werden, habe ich bereits in Bezug auf #reprometh einige Male erwähnt und beschrieben. In dem Projekt haben sich Studierende schreibend dem Blog als neuere Textsorte und zugleich ihren Fachinhalten gewidmet. Nun ist im laufenden Wintersemester im selben Institut ein studentisches Projekt gestartet, mit dem die Macherinnen in dieselbe Kerbe hauen, die auch von @GeWirtschaft benannt wurde: studentische Texte sollen eine Leserschaft erhalten – und v.a. auch die ernsthafte Auseinandersetzung mit Studieninhalten: der Blog “the article” versteht sich als Plattform “von KunsthistorikerInnen für KunsthistorikerInnen” und steht interessierten Autorinnen standortunabhängig als Publikationsplattform zur Verfügung.

Was dieses Projekt von Zeitschriften, Magazinen und Journalen herkömmlicher Machart unterscheidet, ist m.E., dass the article nicht nur “erarbeitete Inhalte und wissenschaftliche Forschung” anbietet, denn darüber hinaus verstehen es die Macherinnen als Forum für Studierende, die sich schreibend mit den eigenen Interessen an den Studieninhalten befassen möchten. Die Redaktion dient sich also nicht der Idee einer “herkömmlichen” paper mill an, sondern will bewusst auch Raum lassen für das, was in den vorhandenen akademischen Genres sonst eher nicht untergebracht werden kann – und von Studierenden i.d.R. noch viel seltener. Dabei legt man sich nicht auf den Elfenbeinturm fest, sondern wählt mit dem Blog eine Textsorte, die der präsidialen Rede von der “third mission” viel mehr Gehalt verleiht, als es so mancher wissenschaftlicher Artikel in irgendeinem Fachblatt tut.

the article ist wie gesagt in diesem Semester erst gestartet. Man darf gespannt sein, wie sich die Dinge für the article entwickeln werden. Ein Gespräch mit der engagierten Redaktion lässt mich das Beste hoffen. Das Team bringt die Motivation mit, die es braucht, ein solches Projekt zu einem Erfolg zu machen. Da sind Studierende, die sehr genau benennen können, wo sie von Hochschullehre mehr erwarten und wo sie meinen, dass ihr Studium mehr leisten könnte – und sollte. Bei the article weiß man um die Rolle, die digitale Medien und digitales Schreiben im späteren Berufsleben studierter Kunsthistorikerinnen haben wird. Und man weiß, dass eine Seminararbeit, die meist nur eine Leserin hat – die Dozentin – allein nicht vorbereitet auf die Textualität, die später der Beruf mit sich bringt. “Beschäftigungsfähigkeit” ist das Bologna-Ziel, das diese Studierenden eigeninitiativ verfolgen und sie gehen dabei von einem inhärenten Interesse an ihrem Studienfach aus, das Studierenden heute auch gerne einmal abgesprochen wird. Nun denn: hier also ein Gegenentwurf. Hier arbeiten Studierende an berufsfeldbezogenen Kompetenzen, weil sie es wollen und von einem Hochschulstudium auch erwarten. Nun mach ich hier mal aber nen Punkt, sonst werd ich noch rührselig. Can we give ’em a warm round of applause, please?

Wenn ihr also Studierende der Kunstgeschichte kennt, die gute Texte geschrieben haben oder aber gute Texte schreiben wollen, macht sie auf thearticle.hypothesis.org aufmerksam. Das Team ist auch auf Instagram, Facebook und Twitter zu erreichen.

 

 

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