“Muss es unbedingt ein Schreibjournal sein?”

In dieser Woche startete ich mit der “moderierten Schreibgruppe Abschlussarbeiten” ins Sommersemester. Auch diesmal sind wieder gut 30 Studierende in der Studienabschlussphase dabei. In diesem Beitrag möchte ich auf eine Frage eingehen, die mir in der ersten Sitzung angetragen wurde – es geht um das Führen eines Schreibjournals.

In Übereinstimmung mit der inoffiziellen Initiative des Schreibzentrums für das Schreiben mit der Hand – oder präziser: mit Stift und Papier – empfahl ich den Teilnehmenden wieder einmal, ein Schreibjournal anzulegen. Auch bei einer Generation, die sich vornehmlich mit digitalen Medien umgibt, stößt dieser Vorschlag stets auf reges Interesse – besonders dann, wenn ich einige meiner eigenen Journale aus der Tasche ziehe und damit wedle.

Ich spreche an dieser Stelle immer über die Bedeutung der Haptik, über unterschiedliche Formate, Materialien und Papierqualitäten, über Wegwerfgesellschaft vs. Qualität und zeige anhand kleiner Einblicke in meine eigenen Journale die Vorteile von Stift und Papier in Bezug auf Flexibilität und Kreativität auf. In diesem Zusammenhang mache ich dann einen Jokus, den ich folgendermaßen vermemen würde:

Nach diesen Ausführungen sind i.d.R. viele Teilnehmende offen für weitere Anregungen zum Führen eines Schreibjournals und wollen mehr wissen – dafür habe ich dann das oben bereits verlinkte Handout. Während ich dieses verteile, berichte ich noch vom Nutzen dieser Methode bei meinen eigenen Abschlussarbeiten und anschließend lasse ich Raum für Stimmen aus dem Plenum. Wer führt schon eine Art Journal, welche Erfahrungen lassen sich teilen?

Diese Woche fragte eine Teilnehmende: “Muss es unbedingt ein Schreibjournal sein? Ich schreibe selbst immer Notizen auf Zettel und wenn ich die dann abgearbeitet habe, werfe ich die Zettel weg.”

Statt selbst zu antworten, warte ich auf Reaktionen von anderen TN – und die kommen immer. Irgendjemand entgegnet dann, dass man keine Rückschau auf das halten kann, was man weggeworfen hat. Die Gruppe weiß selbst, dass eine solche Rückschau insbesonders für den Nachvollzug von Gedankengängen Sinn hat. Anhand der Verschiebungen, die sich bei verschiedenen Formulierungen von Forschungsfragen über einen längeren Zeitraum ergeben, werden individuelle Entwicklungen sichtbar. Zugleich vermittelt die Handschrift eine stärkere Identifikation mit dem Geschriebenen als etwas Eigenes – etwas, das man sich erarbeitet hat.

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Auch die aktuelle Studierendengeneration ist offen für das Schreiben mit der Hand und dankbar für praktische Ansätze, die Zugänge zur eigenen Schriftlichkeit eröffnen. Und weil das so ist, haben wir im Schreibzentrum seit diesem Semester einen Workshop zum Bullet Journaling am Start.

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